Heute will ich mit dir feststellen, ob auch du unter den Zwängen deiner Waage leidest und wie du dich aus diesen befreien kannst. Aber zu erst einmal Hand aufs Herz. Treffen einige der folgenden Punkte auf dich zu? Bei mir war es der Fall, dass sogar ganz viele der Punkte auf mich zutrafen. Und deshalb habe ich meine Waage aus dem Fenster geschmissen. (Nein, natürlich nicht wort wörtlich. Ich habe einfach keine neue Batterie gekauft). Und statt der Waage habe ich mich mit dem Maßband aus meinem Nähkoffer angefreundet.

Ließ dir die folgenden Fragen durch. Wenn du mehr mit „Ja.“, als mit „Nein.“ beantworten kannst, dann solltest du auch deiner Waage die Freundschaft kündigen und dich mit deinem Maßband anfreunden.

  • Frage 1: Bist du unzufrieden mit deinem Gewicht?
  • Frage 2: Hast du das Gefühl das du nicht abnimmst und machst das daran fest, dass die Zahl auf der Waage nicht kleiner wird?
  • Frage 3: Ist deine Stimmung abhängig von der morgendlichen Zahl auf der Waage?
  • Frage 4: Notierst du dir täglich genau die Zahl auf der Waage (Vorsicht Ironie: und würdest du dir dein Gewicht gerne aufs Gramm genau anzeigen lassen – 5 Gramm mehr und du bist enttäuscht)?
  • Frage 5: Fährt die Zahl der Waage Achterbahn und du weißt nicht wieso? Heute hast du 1kg abgenommen und morgen 1,3kg zugenommen, nur um am nächsten Tag wieder 300g weniger zu haben. Du kennst die Zahl aber weißt nicht wann sie größer oder kleiner wird?
  • Frage 6: Hast du das Gefühl das sich eine Kamera in deiner Waage versteckt, welche filmt wie du auf 2kg mehr oder weniger reagierst?
  • Frage 7: Steigst du nach dem Sport, oder nach dem Essen auf die Waage um zu sehen wie sich einzelne Tätigkeiten auf dein Gewicht ausüben?
  • Frage 8: Ziehst du dich morgens, obwohl du spät dran bist, noch mal  aus, nur weil du vergessen hast dich zu wiegen?
  • Frage 9: Nimmst du deine Waage mit in den Urlaub und mit zu Freunden, wenn du dort übernachtest?
  • Frage 10: Wiegst du dich bei Freunden, im Kaufhaus oder im Fitnessstudio, um zu überprüfen ob deine Waage auch richtig funktioniert?
  • Frage 11: Redest, schimpfst und lachst du mit deiner Waage und bettelst sie vor jedem wiegen an doch bitte weniger anzuzeigen?
  • Frage 12: Stellst du dich manchmal 5, 10 oder sogar 15 mal auf die Waage, um zu überprüfen ob das Ergebnis wirklich richtig ist?

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Hast du dir die Fragen durchgelesen und die meisten mit „Ja.“ beantwortet? Dann ließ bitte weiter und sieh, wie ich mich aus den Zwängen meiner Waage befreit haben. Das oben sind alles mehr oder weniger Fragen, welche bis vor einem Jahr noch auf mich zutrafen. Heute habe ich keine Waage mehr und lasse die Waage in Geschäften, bei Freunden oder bei der Familie stehen, ohne draufzusteigen. Ich brauche keine Waage mehr und ich habe einen neuen Freund: Das Maßband.

Alles fing damit an das ich für 8 Monate in Neuseeland war. Ich war als Backpacker und mit eigenem Auto unterwegs. Erst habe ich mit dem Gedanken gespielt, mir vor Ort eine Waage zu kaufen. Doch da ich vor Ort meist nie einen flachen Untergrund hatte und die Waage auf Wiese, Kies und Waldboden wohl nicht so genau misst, bin ich ins tiefe Wasser gesprungen und ohne Waage losgezogen.

Ich hatte mal gelesen, dass man sein Gewicht auch mit einem Maßband überwachen kann. Die letzten 2 Monate meines Neuseelandaufenthaltes war ich mit einer Freundin unterwegs und wir beschlossen Sport zu treiben und uns gesund zu ernähren, bevor wir wieder zurück nach Deutschland fliegen. Gesagt, getan. Wir deckten uns mit Gemüse, Obst und Nüssen ein. Achteten darauf das in unseren Lebensmitteln kein Industriezucker ist. Kochten jeden Abend frisch. Zusätzlich hatten wir einen Schrittzähler um täglich auf mindestens 10.000 Schritte zu kommen und das duschen im Freibad (wir hatten in unserem Auto ja keine Dusche) kombinierten wir mit Schwimmeinheiten. Ganz gemächlich steigerten wir diese von 30 Minuten am Anfang auf 1h am Ende. Und auch die 10.000 Schritte erhöhten wir auf 15.000 Schritte am Ende.

Um meine Erfolge zu prüfen habe ich jede Woche das Maßband genommen und mich an den selben Stellen gemessen und ich muss sagen, dass mich dieser Art viel mehr motiviert hat, als ständig auf die Waage zu steigen. Hast du deine Tage, hast du was schwer verdauliches gegessen, hast du zu viel Alkohol getrunken, viel Sport gemacht, Stress auf der Arbeit und, und, und. Das alles schlägt sich auf die Zahl auf der Waage aus und du weißt nie wirklich richtig, ob sie denn nun richtig geht. Nicht ohne Grund steigst du 5 mal auf die Waage und siehst jedes mal ein unterschiedliches Ergebnis.

Ich fing also an meine Maße zu nehmen und war hoch motiviert. Hatte ich die eine Woche mal nicht am Bauch abgenommen, hatte ich etwas weniger am Po und an den Oberschenkeln. Darauf die Woche verzeichnete ich eine Abnahme an den Armen und dann wieder eine größere an der Taille und am Bauch. Ich habe festgestellt, dass ich meist an einem Körperbereich etwas weniger hatte und darauf die Woche an einer anderen Körperpartie. Aber das störte mich nicht. Ich habe meinen Körper an den folgenden Stellen bemessen und die ganzen Werte dann einfach wochenweise addiert. Gemessen habe ich in 0,5cm, 1cm, 1,5cm Schritten und so weiter. In manchen Wochen hatte ich 8,0 cm weniger, dann wieder nur 2,5 in der nächsten Woche. Aber es gab in den 2 Monaten keine Woche mit Stillstand, wie es auf der Waage oft der Fall ist. Selbst wenn es für eine Woche nur 0,5cm weniger an der Taille und am Bauch waren und sonst nichts, immerhin war es weniger und nicht mehr. Ich habe über die gesamte Zeit immer den Fortschritt bemerkt und das hat mich wahnsinnig motiviert. Zudem konnte ich die Ergebnisse auswerten. Wenn ich mehr gelaufen bin, habe ich gesehen wie sich das auf die Beine auswirkt. Hatte ich viel Obst und Gemüse gegessen, bemerkte ich das meine Taille und mein Bauch kleiner werden. Es war toll diese Entwicklung zu sehen und zu bemerken, dass ich wirklich einen Einfluss auf meine Figur habe.

In der ganzen Zeit habe ich nur 3 oder 4 kg abgenommen. So genau weiß ich das nicht. Aber 3 – 4 kg in 2 Monaten?? Hätte ich die gesunde Ernährung und den Sport nur mit Hilfe der Waage kontrolliert, hätte ich nach 3 Wochen sicher frustriert das Handtuch geworfen, weil nichts passiert …

An folgenden Stellen habe ich gemessen:

  • Brust (1 x über der Brust, einmal die Brust genau und einmal unter der Brust)
  • rechten und linken Arm (jeweils Oberarm und Unterarm)
  • Taille
  • Bauch
  • Hüfte
  • Po
  • rechtes und linkes Bein (jeweils Oberschenkel, Knie und Wade)

Kurz und knapp die Regeln:

  1. Miss jede Woche am selben Tag und vor dem Frühstück (wenn es schnell gehen muss, schreibe ich mir die entsprechenden Werte nur schnell auf einen Zettel und werte diese später am Tag aus).
  2. Schreibe die Werte in einer Tabelle auf. Links die Stelle, welche es zu messen gilt. Und dann rechts daneben immer die Werte für jede neue Woche.
  3. Markiere die einzelnen Bereiche mit Farben. An den Stellen wo du etwas abgenommen hast, schreibst du die Zahl in grün. Werte mit Gleichstand sind grau/schwarz und Werte mit Zunahme werden in rot geschrieben. Es motiviert unwahrscheinlich, wenn du für eine Woche nur grüne und graue Zahlen hast. Und durch das rot erkennst du die Warnsignale und die Bereiche wo du noch mehr machen kannst.
  4. Grau, also Stillstand ist nichts schlechtes. Der Körper braucht Zeit für seine Abnahme und solange du eine gute Mischung aus grün und grau hast, kannst du sogar etwas rot ausgleichen 🙂 Unter Zwang abnehmen war gestern, heute arbeite ich mit Kreativität an meinem Körper und diese Farben machen echt Spaß ^^
  5. Addiere die + und – Werte der jeweiligen Woche miteinander und freue dich wenn ein Minus am Ende steht. Das ist der Wert welchen du abgenommen hast insgesamt.
  6. Addiere den Wert der jeweiligen Woche mit den Werten der letzten Wochen und du wirst sehen wie viel Abnahme du seit Beginn des Maßnehmens verzeichnen kannst. Sei stolz über jeden abgenommen cm 🙂

Und jetzt zu dir! Leidest du immer noch unter den Zwängen deiner Waage und hast du dir mal überlegt, mal mit dem Maßband deinen Gewichtsverlauf zu prüfen? Wie bereits angesprochen, motiviert mich das Maßband viel mehr und ja, ich freue mich nach einer guten Woche regelrecht auf das Maßband, weil ich weiß es wird mich belohnen. Die Waage saß mir immer im Nacken und hat Angst vor dem nächsten Morgen geschürrt…

Hinterlass mir einen Kommentar und sag mir wer dein ständiger Begleiter ist. Das Maßband, die Waage oder brauchst du keinen von beiden?